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Schattenlinie

 

Denn was tut Comellas eigentlich? (Um mit den Werken, die wie Gemälde an der Wand hängen zu beginnen) Was tut sie?

Sie baut sich zunächst einen Keilrahmen, eine Holzunterkonstruktion, einen Plexiglasgrund, in jedem Fall einen individuell geformten Körper. Und ein Körper ist es, nicht nur ein Bildträger, wie man so schön sagt, ein bloßer Diener. Das geht soweit, dass Comellas sich von einem Kollegen der Buchbinderei an der Kunsthochschule, an der sie unterrichtet, in dessen Handwerk unterweisen lässt und Farbbücher bindet, die an die Wand gehängt, zum Objekt der Betrachtung werden.Nachdem der Rahmen bespannt ist, das Buch gebunden, beginnt die Arbeit in der Fläche oder besser: in den Flächen. Da ist ein dahinter, darüber, davor – ein Schichten von Materialien und Farben. Von großer Affinität für Japan, ein Land das Comellas bereiste, zeugt die Verwendung von dünnem, so genannten „Japan“papier, das in seiner Transparenz Sediment für Sediment aufs Bild trägt bis ein Kosmos entsteht, der an die ersten Tage der Genesis erinnert. Wir sehen Wasser und Land, Wolken und Sterne.

Die Farben, die Comellas aufträgt, könnten elementarer nicht sein: wir sehen blau, rot oder grün, also Farben, die ohne kulturelle Überformung, ganz unmittelbar   Vorstellungen von Wasser, Himmel, Feuer, Wärme, Vegetation in uns wach rufen. Bestätigt wird die Vorstellung noch von der Art des Farbauftrags: manchmal ergießt sich die Farbe wie jener Regenschauer, den das Bild „Plötzlicher Regen auf Atake“ zitiert, oder sie wuchert wie Moos, lodert wie Feuer. Die poetischen Bildtitel, teils einem Roman entnommen, akzentuieren jeweils diese Spannung aus realer Materie, also: Farbe, Papier, Leinwand - und insinuierter Materie, wie in Fotografien von Wasser oder Stein.

Comellas gelingt es Abbild und Abstraktion in rätselhafter Waage zu halten. Ihre Arbeiten sind vielschichtig. Sie offenbaren sich im Umhergehen, im in-die-Hocke-gehen, im verstohlenen Nähertreten und auch mal Abstand halten.

Miriam Halwani

 

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